Berliner Morgenpost Barack Obama erklärt, wie wichtig Frauen als Ratgeber sind

Köln. Mit Gipfeln kennt er sich noch aus. Auf den politischen dieser Welt ist er zu Präsidenten-Zeiten der Star gewesen, und das ist auch an diesem Donnerstagabend in Köln nicht anders. Acht weitere „Führungspersönlichkeiten“ und Motivationsgurus sind zum „World Leadership Summit“ geladen, bekannt aus Funk und Fernsehen allesamt, aber die Menschen in der Lanxess Arena wollen vor allem ihn sehen: Barack Obama.

Eine Stunde dauert es, dann kommt er auf die Bühne. Noch schlanker sieht er aus als vor zwei Jahren bei seinem letzten Besuch in Deutschland, jungenhaft ist er geblieben trotz seiner inzwischen 57 Jahre. Und er erzählt dem Publikum, das sich nur widerwillig wieder setzt, grinsend, wie die Zeit nach dem Verlassen des Weißen Hauses war: „Ich musste Kaffee kochen. Ich habe ausgeschlafen.“ Und sich mit Frau und Töchtern über den Platz im Kleiderschrank gestritten.

Barack Obama: Für gute Führung ist es wichtig, zuzuhören
Nur wollte das der Motivations- und Persönlichkeitstrainer Cristián Gálvez, der das Interview führt, nicht wirklich wissen. Er soll klären, was gute Führung heute bedeutet, mit dem „großartigsten Redner“ überhaupt. Der also sagt, unendlich freundlich, wie wichtig er es findet zuzuhören. Gibt aber auch zu – mit Blick auf die Anführer dieser Welt, die nach ihm kamen: „Jemand, der Präsident werden will, muss ein gesundes Ego haben.“

 Er spricht über Geduld, über die vielen Interessen in einer Demokratie und die Offenheit für verschiedene Perspektiven – und von der Notwendigkeit, vor einer Entscheidung vor allem genug Frauen zu fragen, für ihn ein offenbar wichtiger Punkt, auf den er mehrfach zurückkommt. Und darüber, dass viele Menschen in einem gigantischen Apparat auch Fehler machen.

Barack Obama schickt eine Liebeserklärung an Michelle
Das erste Ziel sei deshalb, Menschen Verantwortung zu übertragen und sie zu respektieren. Führungskultur à la Obama. „Und sehen Sie: Wir hatten keinen Skandal, niemand kam ins Gefängnis.“ Man könne sich „nicht der Realität entziehen“, sagt Obama, vielmehr müsse man immer sehen, wo sich zwei Dinge überschneiden: wie die Welt gerade ist und wie man sie gern hätte. „Nur dann kann ich beginnen, sie zu verändern.“

Deutlich wird: Der Kampf gegen den Klimawandel treibt ihn um. „Man kann das nicht alten Leuten überlassen, auch nicht mir.“ Das alles teile er mit seiner Frau Michelle, der er eine Liebeserklärung über den großen Teich schickt: „Meine Frau ist einzigartig.“ Auch über seine Töchter spricht er, die er zu selbstbewussten Menschen erzogen habe, die hohe Erwartungen an sich selbst hätten – „zu Recht”! Obwohl die schriftliche Übersetzung auf zwei Bildschirmen manchmal etwas lahmt, gibt es für solche Sätze immer wieder Lacher und Szenenapplaus.

Mehrere Tausend teure Tickets nicht verkauft
Im Vorfeld war die Begeisterung nicht ganz so groß, zum Schluss verschenkte der Veranstalter, das Unternehmen „Gedankentanken“, mindestens 2000 Karten an Ehrenamtliche aus Köln. Allerdings kostete der günstigste Eintritt auch 70 Euro, für 5000 Euro durften Gäste mit dem Ex-Präsidenten speisen – und ein Selfie mit ihm machen. „Unverschämt teuer“, findet Sandra, 51, die sich einen Platz oben unterm Dach trotzdem gesichert hat, sie hat Gorbatschow gesehen, nun will sie auch Obama.

„Für das Geld könnte ich nach Amerika ins Weiße Haus reisen“, sagt der 16-jährige Lukas, dessen Mutter Gaby die Karten geschenkt bekam. „Wäre schön, wenn Obama da noch wäre“, sagt die. Das findet Ursula Brüninghaus auch: „Zu Trump wäre ich bestimmt nicht gegangen.“

Den Ex-Präsidenten finden sie „sympathisch“, „menschlich“, und überhaupt: „Wann sieht man den schon mal?“ – „Einmal im Leben.“ Fotografieren aber dürfen sie ihn nicht, auch Pressefotografen sind nicht zugelassen.

Die Präsidenten-Suite bekommt Obama nicht
Es ist also fast so, als sei Obama noch immer Präsident. Die Privatmaschine landet auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn, der Autokorso kommt mit Blaulicht und Martinshorn, bei den Sicherheitsvorkehrungen hilft der Kölner Polizei der amerikanische Secret Service. Allein, in der Präsidenten-Suite des Hyatt Regency kann der prominente Gast nicht übernachten, die ist anderweitig belegt.

Angekündigt wurde der Ex-Präsident übrigens von seiner „großen“ Schwester Auma Obama, vor kaum einer Woche noch Ehrengast beim 60. Geburtstag der Kindernothilfe in Duisburg. Die 59-Jährige betreibt eine Stiftung zur Entwicklungshilfe in Afrika, spricht fließend Deutsch und sagt skizziert das Leitmotiv der Geschwister: „Jemand ist, weil er ist und nicht, weil er wichtig ist. Das ist das, was uns motiviert.“

Sie nennt ihren „kleinen“ Bruder voller Stolz die „inspirierendste Person“ auf der Welt. Worauf Obama, der nichts verstanden hat hinter der Bühne, als erstes sagt: „Glaubt ihr kein Wort.“ Am Freitag wird dieser kleine Bruder noch mit ihr frühstücken – in einer normalen Suite – und dann weiterreisen nach Berlin. Auch dort ist eine Gesprächsrunde geplant. Vorher aber Er hatte das einst versprochen: Er werde seine „Freundin Angela“ auch privat besuchen. (Annika Fischer)